EM 2020 Spielorte: Von Bilbao bis Baku und von St. Petersburg bis Rom
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60 Jahre nach der Erstauflage des Europapokals der Nationen, aus dem 1966 die Europameisterschaft unter dem Dach der UEFA wurde, gibt es im Sommer 2020 eine Premiere. Erstmals wird die Europameisterschaft nicht wie bisher nur in einem Gastgeberland oder in maximal zwei Nationen ausgetragen, sondern über den gesamten Kontinent verteilt. Vom 12. Juni 2020 bis 12. Juli 2020 kämpfen die 24 besten Mannschaften Europas von St. Petersburg im Norden über Baku im Osten und Rom im Süden bis nach Bilbao sowie Dublin im Westen um die europäische Fußballkrone. Erfahren Sie hier alles über die EM 2020 Spielorte.

Insgesamt 12 Länder bzw. Städte kommen in den Genuss, Spiele der EM 2020 ausrichten zu dürfen. Ursprünglich hatten gleich 32 Länder Interesse daran angemeldet, Spiele der EURO 2020 auszurichten. Am Ende reichten aber doch nur 19 Mitgliedsverbände der UEFA ihr Bewerbung ein, während 13 andere Länder final darauf verzichteten, den Hut in den Ring zu werfen. Unter anderem bewarben sich Serbien, Portugal, Polen und Frankreich letztlich nicht, wofür es jeweils unterschiedliche Gründe gab. Im Falle von Frankreich, einem der größten Länder Europas, erfolgte der Verzicht, weil die Grande Nation 2016 alleiniger Gastgeber war und deshalb wohl aus Gründen der Fairness nur geringe Chancen auf Spiele der EM 2020 gehabt hätte.

EM 2020 Spielorte: Sechs Bewerber gehen leer aus

Rund ein Jahr nach Beginn der Bewerbungsfrist gab die UEFA bekannt, welche Städte bzw. Stadien letztlich den Zuschlag erhalten haben. Enttäuschung herrschte danach in Skopje (Mazedonien), Solna (Schweden), Sofia (Bulgarien), Minsk (Weißrussland), Jerusalem (Israel) und Cardiff (Wales), deren Bewerbungen nicht erfolgreich waren. In 12 anderen Städten durfte dagegen gejubelt und zugleich mit der konkreten Vorbereitung auf die EM 2020 begonnen werden.

Jeder Mitgliedsverband der UEFA hatte die Möglichkeit, zwei Bewerbungen abzugeben. Zum einen für ein Paket mit drei Gruppenspielen sowie einem Achtel- oder Viertelfinale und zum anderen für die Endrunde, die mit den beiden Halbfinal-Spielen und dem Endspiel in der gleichen Stadt stattfinden sollte.

Endrunde in London

Letztlich bewarben sich für die Finalrunde nur England mit London und Deutschland mit München. Der Deutsche Fußball-Bund teilte kurz vor der Vergabe der EM-Spielorte mit, auf die Bewerbung Münchens verzichten zu wollen, wenn England im Gegenzug eine deutsche Bewerbung für die EM 2024 unterstützen würde. Inwieweit anschließend zwischen den Verbänden eine Absprache erfolgte, ist nicht bekannt, doch am Ende erhielt London den Zuschlag. Die Hauptstadt Großbritanniens mit dem komplett neu gebauten und 2007 wiedereröffneten Wembley-Stadion ist für die Ausrichtung der entscheidenden Spiele sicherlich bestens geeignet und man kann sich in Erinnerung an die EURO 1996 sicher sein, dass in London eine überragende Fußballstimmung herrschen wird. Insbesondere wäre dies natürlich dann der Fall, wenn England als Gastgeber dann noch vertreten wäre, wobei es die Three Lions just 1996 zum bislang letzten Mal ins Halbfinale eines großen Turnieres geschafft haben.

Wie London sind auch die meisten anderen Austragungsorte der EM 2020 mehr oder weniger regelmäßig Schauplatz von großen Fußballspielen. So natürlich München, das anstatt der Finalrunde nun Schauplatz von drei Gruppenspielen und einem Viertelfinale ist. Das gleiche Paket erhielten Rom, St. Petersburg und Baku. Während die Ewige Stadt schon Finalort der WM 1990 war, feiert Baku Premiere bei einem großen Turnier, wobei die Hauptstadt Aserbaidschans mit dem 2015 eröffneten Nationalstadion schon den Zuschlag für das Finale der Europa League 2019 erhalten hat und wohl in nächster Zeit noch öfter Schauplatz großer Fußballspiele sein wird. Und St. Petersburg durfte sich schon bei der WM 2018 als Spielort beweisen, womit die vermutlich schönste Stadt Russlands zwei Jahre später schon einiges an Erfahrung mitbringt.

Grandiose Atmosphäre in Schottland und Irland

In Baku oder St. Petersburg bleibt freilich abzuwarten, ob sich die von vergangenen Turnieren bekannte Fußballatmosphäre richtig breit machen wird. Das steht dagegen in anderen Städten völlig außer Zweifel. Im schottischen Glasgow und im irischen Dublin ist Volksfeststimmung bei weitem nicht nur im Stadion zu erwarten, vor allem natürlich dann, wenn es der jeweilige Gastgeber zur EM-Endrunde schaffen sollte und dann, wie von der UEFA geplant, zwei Heimspiele bestreiten sollte.

Aber auch in Amsterdam darf man sich auf eine tolle Stimmung freuen, natürlich in Erinnerung an die EM 2000, als die Niederlande als Co-Gastgeber mit Belgien gemeinsam als Gastgeber eines bei weitem nicht nur fußballerisch fantastischen Turnieres fungierten.

Bekannt für eine heiße Atmosphäre nicht nur bei Stierkämpfen ist auch Bilbao. Trotz der bekannten politischen Lage sollte die spanische Nationalmannschaft auch im Baskenland bei ihren Heimspielen volle Rückendeckung von den Rängen erhalten. Das gilt natürlich gleichermaßen für Budapest und Bukarest, sollten es Ungarn und Rumänien ins Teilnehmerfeld schaffen. Beide Städte im Südosten Europas haben wie praktisch alle EM-Gastgeberländer weit mehr zu bieten als nur neue, attraktive Fußballstadien.

Wer im Sommer 2020 mehrere Spiele der Europameisterschaft besuchen möchte, muss zwar weitere Reisestrecken auf sich nehmen als bei vergangenen Turnieren, doch dafür bietet sich die vielleicht einmalige Gelegenheit, in vielen verschiedenen Ländern und Städten eine besondere Stimmung aufzusaugen. Man darf aber gespannt sein, ob es wirklich überall gelingt, Fußball-Euphorie zu entfachen. Insbesondere dann, wenn die gastgebende Mannschaft enttäuschen oder vielleicht gar nicht dabei sein sollte.

UEFA bleibt hart und streicht Brüssel von der Liste

Ursprünglich war auch die belgische Hauptstadt-Brüssel als EM-Spielort geplant, drei Vorrundenspiele und ein Achtelfinale hätten in der neuen Euro-Arena stattfinden sollen. Doch im Dezember 2017 hat die Europäische Fußball-Union Brüssel als offiziellen EM 2020 Spielort von der Liste gestrichen. Grund hierfür waren anhaltende Verzögerungen beim Bau der Arena. Als Ersatz erhielt das Wembleystadion den Zuschlag, in London werden nun sieben statt der bislang geplanten drei Spiele stattfinden.